- Die Faustregel „2–5 % vom Umsatz für Marketing“ beschreibt einen Durchschnitt; Konzerne geben laut Gartner 2025 7,7 % aus, davon 2,4 % für bezahlte Medien.
- Ein Fensterbauer mit 2,1 Mio. € Umsatz braucht für 500.000 € Mehrumsatz rechnerisch 23 Aufträge, 77 Angebote, 122 vereinbarte Termine, 271 qualifizierte Anfragen und rund 19.000 € Werbebudget im Jahr (illustrativ).
- Eine qualifizierte Anfrage darf so viel kosten, wie 20 % des Deckungsbeitrags je Auftrag geteilt durch die Anfragen je Auftrag ergeben; im Beispiel 112 €.
- Erfahrungswert aus Junghirsch-Kampagnen 2024–2026: Betriebe ab 500.000 € Umsatz arbeiten mit 1.500 bis 3.000 € Werbebudget im Monat; darunter lernen Meta und Google zu wenig.
- Die Steuergröße ist der Preis je gewonnenem Auftrag, nicht der Preis je Klick oder je Lead; als Zielwert gilt ein niedriger einstelliger Prozentsatz des Auftragswerts.
- In Österreich fördert KMU.DIGITAL seit 12. Jänner 2026 Strategieberatung zu Online-Marketing mit bis zu 3.000 € je Betrieb.
Die Faustregel sagt: 2 bis 5 % vom Umsatz für Marketing (handwerk.com). Für einen Betrieb mit 2,1 Mio. € Umsatz wären das 42.000 bis 105.000 € im Jahr. Die Zahl beantwortet aber die falsche Frage. Sie sagt, was Sie ausgeben dürfen, nicht, was Sie brauchen, um ein konkretes Umsatzziel zu erreichen.
Wer wachsen will, rechnet rückwärts: vom Zielumsatz über Auftragswert, Abschlussquote, Termine und Anfragen bis zum Werbebudget. Für den Fensterbauer im Beispiel weiter unten kommen dabei rund 19.000 € reines Werbebudget im Jahr heraus, um 500.000 € Mehrumsatz zu erzeugen. Das sind 3,8 % des Mehrumsatzes und 0,9 % des bisherigen Umsatzes.
Dieser Artikel ist Teil unseres Leitfadens zur Neukundengewinnung im Handwerk. Er liefert die Rechnung Schritt für Schritt, eine Tabelle zum Nachrechnen, die Deckungsbeitrags-Logik dahinter und die fünf Kennzahlen, mit denen Sie das Budget steuern. Wer lieber tippt als liest, findet dieselbe Logik als interaktives Werkzeug im Anfragen-Rechner für Handwerksbetriebe.
Was taugt die Faustregel 2 bis 5 % vom Umsatz?
Als Orientierung für den Status quo taugt sie, als Wachstumsplan nicht. Die Spanne stammt aus der Betriebsberatung und beschreibt, was gesunde Handwerksbetriebe im Schnitt für Werbung, Website, Fahrzeugbeschriftung und Messen ausgeben. Sie beschreibt einen Durchschnitt, kein Ziel.
Zum Vergleich: Große Unternehmen liegen deutlich höher. Laut Gartner CMO Spend Survey 2025 geben Konzerne 7,7 % ihres Umsatzes für Marketing aus, davon 2,4 Prozentpunkte allein für bezahlte Medien (402 befragte Marketingchefs, überwiegend Unternehmen ab 1 Mrd. $ Umsatz). Der CMO Survey der Duke University (Februar 2025) nennt für alle Unternehmensgrößen einen Median von 3 % und einen Mittelwert von 9,35 %. Schweizer Berater empfehlen Handwerksbetrieben 3 bis 7 % (3w-stratego).
| Quelle | Zielgruppe | Marketingbudget in % vom Umsatz | Einordnung |
|---|---|---|---|
| handwerk.com (Faustregel) | Handwerksbetriebe DE | 2–5 % | Durchschnitt, kein Wachstumsziel |
| 3w-stratego (CH, 2026) | Handwerksbetriebe CH | 3–7 % | Beispiel: 2 Mio. CHF Umsatz → 60.000–140.000 CHF |
| CMO Survey Duke (Feb. 2025) | Alle Branchen, 176 Unternehmen | Median 3 %, Mittelwert 9,35 % | Große Streuung zwischen Branchen |
| Gartner CMO Spend Survey (Mai 2025) | 402 Konzerne, meist > 1 Mrd. $ | 7,7 %, davon 2,4 % bezahlte Medien | Zeigt, was Wachstum kostet |
| Erfahrungswert Junghirsch (2024–2026) | Betriebe ab 500.000 € Umsatz | Werbebudget 1.500–3.000 €/Monat | Nur Plattformkosten, ohne Honorar und Zeit |
Quellen: handwerk.com; 3w-stratego.ch; The CMO Survey 2025; Gartner 2025; Junghirsch-Kampagnendaten. Die Junghirsch-Werte sind Korridore aus Kampagnen, keine Garantie.
Die Prozentregel hat drei Schwächen. Erstens ist sie prozyklisch: Sinkt der Umsatz, sinkt das Budget, obwohl genau dann mehr Anfragen nötig wären. Österreichs Gewerbe und Handwerk verlor 2025 real 3,3 % Umsatz (WKO/KMU Forschung Austria, Q1/2026), die Auslastung im deutschen Handwerk liegt bei 76 % (ZDH, Q2/2026). Wer jetzt kürzt, kürzt am falschen Ende.
Zweitens unterscheidet die Regel nicht zwischen Sichtbarkeit und Anfragen. Ein Website-Relaunch, das Sponsoring des Fußballvereins und eine Kampagne, die Aufmaßtermine liefert, laufen unter demselben Posten. Drittens ignoriert sie, dass Werbeplattformen ein Mindestbudget brauchen, um überhaupt zu lernen. Dazu weiter unten mehr.
Die Rückwärtsrechnung: Vom Zielumsatz zum Werbebudget in neun Schritten
Die Rückwärtsrechnung startet beim gewünschten Mehrumsatz und arbeitet sich über Ihre Quoten bis zum Budget vor. Sie brauchen dafür sieben Zahlen aus Ihrem Betrieb, und jede davon können Sie in einer Stunde aus Angebotsordner und Terminkalender ziehen.
Eine qualifizierte Anfrage ist in dieser Rechnung eine Anfrage mit vorhandenem Budget, konkretem Projekt, Start innerhalb von etwa sechs Monaten, aus Ihrer Region und exklusiv an Ihren Betrieb vergeben. Eine Rohanfrage aus einem Formular oder einem Portal ist keine qualifizierte Anfrage.
- Zielumsatz: Wie viel Mehrumsatz wollen Sie in zwölf Monaten? Nicht „mehr“, sondern eine Zahl.
- Durchschnittlicher Auftragswert: Summe der Aufträge des letzten Jahres geteilt durch ihre Anzahl, nur für die Leistung, die Sie bewerben wollen.
- Benötigte Aufträge: Zielumsatz geteilt durch Auftragswert.
- Abschlussquote: Anteil der Angebote, die zum Auftrag werden. Daraus ergibt sich die Zahl der Angebote.
- Angebotsquote nach Termin: Anteil der Vor-Ort-Termine, aus denen ein Angebot entsteht. Daraus die Zahl der wahrgenommenen Termine.
- Erscheinungsquote: Anteil der vereinbarten Termine, die tatsächlich stattfinden. Daraus die Zahl der vereinbarten Termine.
- Terminquote: Anteil der qualifizierten Anfragen, die zu einem Termin führen. Daraus die Zahl der qualifizierten Anfragen.
- Kosten je qualifizierter Anfrage: Korridor für Ihr Gewerk, siehe was ein qualifizierter Lead im Handwerk kostet.
- Werbebudget: Anzahl qualifizierter Anfragen mal Kosten je Anfrage.
Nehmen wir einen Fensterbauer aus dem Bezirk Wels-Land mit 14 Mitarbeitern und 2,1 Mio. € Umsatz. Er will in zwölf Monaten auf 2,6 Mio. € kommen, also 500.000 € Mehrumsatz aus Privatkunden-Sanierungen. Seine Quoten liegen am unteren Rand unserer Erfahrungskorridore, absichtlich vorsichtig gewählt.
| Schritt | Annahme | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. Zielumsatz (Mehrumsatz) | 2,6 Mio. € minus 2,1 Mio. € | 500.000 € |
| 2. Ø Auftragswert Sanierung | Korridor Fenster 12.000–35.000 € | 22.000 € |
| 3. Benötigte Aufträge | 500.000 € ÷ 22.000 € | 23 Aufträge |
| 4. Abschlussquote Angebot → Auftrag | 30 % (Korridor 25–40 %) | 77 Angebote |
| 5. Angebotsquote Termin → Angebot | 75 % (Korridor 70–85 %) | 103 wahrgenommene Termine |
| 6. Erscheinungsquote | 85 % (Korridor 80–91 %) | 122 vereinbarte Termine |
| 7. Terminquote qualifiziert → Termin | 45 % (Korridor 40–60 %) | 271 qualifizierte Anfragen |
| 8. Kosten je qualifizierter Anfrage | 70 € (Korridor Fenster 40–95 €) | 18.970 € Werbebudget/Jahr |
| 9. Werbebudget je Monat | 18.970 € ÷ 12 | ca. 1.580 €/Monat |
| Kontrolle: Werbekosten je Auftrag | 18.970 € ÷ 23 | 825 € = 3,8 % vom Auftragswert |
Alle Quoten sind Erfahrungskorridore aus Junghirsch-Kampagnen 2024–2026, absichtlich am unteren Rand angesetzt. Rohanfragen sind nicht enthalten; qualifiziert werden je nach Kanal 35–55 % der Rohanfragen.
Rechenbeispiel (illustrativ): 500.000 € Mehrumsatz bei 22.000 € Auftragswert sind 23 Aufträge. Bei 30 % Abschlussquote braucht der Betrieb 77 Angebote, bei 75 % Angebotsquote 103 wahrgenommene Termine, bei 85 % Erscheinungsquote 122 vereinbarte Termine und bei 45 % Terminquote 271 qualifizierte Anfragen. Zu 70 € je Anfrage ergibt das 18.970 € Werbebudget im Jahr, rund 1.580 € im Monat. Je gewonnenem Auftrag sind das 825 € Werbekosten oder 3,8 % des Auftragswerts.
Erfahrungswert aus unseren Kampagnen (2024–2026): Ein Fensterbau-Partner hat in zwölf Monaten 438 qualifizierte Anfragen erhalten und daraus 1,9 Mio. € Projektvolumen mit durchschnittlich 5,2 Terminen pro Woche erzeugt (Kläusler Fenster). Die Größenordnung des Beispiels ist also erreichbar, wenn Erstkontakt und Terminierung funktionieren. Wir verkaufen selbst Neukunden-Systeme, wenden Sie die Rechnung also auch auf uns an. Wenn Sie sehen wollen, wie ein solches System für Ihr Gewerk aussieht: Erstgespräch vereinbaren.
Was darf eine Anfrage kosten? Die Deckungsbeitrags-Logik
Eine qualifizierte Anfrage darf so viel kosten, dass der Deckungsbeitrag der daraus gewonnenen Aufträge die gesamten Akquisekosten deutlich übersteigt. Der Preis je Anfrage allein sagt nichts. Entscheidend ist, was am Ende vom Auftrag übrig bleibt.
Der österreichische Preisexperte Roman Kmenta bringt es in „Nicht um jeden Preis“ (2016) auf den Punkt: Betriebe rechnen in Umsatz, überleben aber vom Deckungsbeitrag. Für die Budgetfrage heißt das: Rechnen Sie Ihre Obergrenze je Anfrage aus dem Deckungsbeitrag, nicht aus dem Bauchgefühl.
Rechenbeispiel (illustrativ): Der Fensterbauer erzielt bei 22.000 € Auftragswert einen Deckungsbeitrag I von 30 %, also 6.600 € je Auftrag. Er legt fest, dass höchstens 20 % davon in die Neukundengewinnung fließen dürfen: 1.320 € je Auftrag. Bei 271 Anfragen für 23 Aufträge braucht er 11,8 Anfragen je Auftrag. Eine Anfrage darf also bis zu 112 € kosten. Der Erfahrungskorridor für Fenster liegt bei 40 bis 95 €. Der Puffer ist da, aber nicht riesig.
Diese Obergrenze ist Ihre wichtigste Verhandlungszahl gegenüber jedem Anbieter, ob Portal, Agentur oder System. Liegt der tatsächliche Preis je qualifizierter Anfrage darüber, stimmt entweder die Anfragequalität nicht oder Ihre Abschlussquote. Beides lässt sich prüfen, bevor Sie mehr Geld nachschieben.
Kosten je Auftrag statt Kosten je Klick: die Steuergröße
Die Zahl, an der Sie das Budget steuern, ist der Preis je gewonnenem Auftrag, im Marketing „Customer Acquisition Cost“ oder kurz CAC. Er umfasst Werbebudget, Honorar und idealerweise auch die eigene Vertriebszeit, geteilt durch die Zahl der Aufträge aus diesem Kanal.
Anfragenfluss, ein Anbieter aus Deutschland, empfiehlt als Zielgröße einen niedrigen einstelligen Prozentbereich des Auftragswerts (2026). Im Beispiel liegt der Fensterbauer bei 825 € Werbekosten je Auftrag, mit Honorar bei rund 1.350 €, also 6,1 % des Auftragswerts und 20 % des Deckungsbeitrags. Das ist im Rahmen, wenn die Aufträge sonst nicht gekommen wären.
Der Vergleich über den Preis je Anfrage führt dagegen regelmäßig in die Irre. Eine Portalanfrage für 50 bis 120 € (Check24 Profis) sieht günstig aus, wird aber an mehrere Betriebe vergeben und bringt laut Erfahrungsberichten einen Auftrag je zehn Anfragen. Eine exklusive, qualifizierte Anfrage für 90 € mit 8,5 % Abschlussquote ist je Auftrag billiger als eine Portalanfrage für 60 € mit 5 %.
Wie teilen Sie das Budget auf: Werbebudget, Honorar, eigene Zeit?
Ein Marketingbudget besteht aus drei Blöcken, und die meisten Betriebe budgetieren nur den ersten. Das Werbebudget geht an Meta oder Google. Das Honorar geht an die Agentur oder den Systemanbieter für Aufbau, Anzeigen, Landingpage und Qualifizierung. Der dritte Block ist Ihre eigene Zeit oder die eines Mitarbeiters für Erstkontakt, Termine und Angebote.
| Block | Was enthalten ist | Beispielwert/Jahr | Wer trägt es |
|---|---|---|---|
| Werbebudget | Anzeigen auf Meta, Google, KI-Suche | ca. 19.000 € | Betrieb, direkt an die Plattform |
| Honorar / Betreuung | Systemaufbau, Anzeigen, Landingpage, Qualifizierung, Terminierung | je nach Anbieter und Modell | Betrieb an Agentur oder Systemanbieter |
| Eigene Zeit | Erstkontakt, 122 Termine, 77 Angebote, Nachfassen | ca. 490 Stunden (≈ 10 h/Woche) | Inhaber oder Vertriebsmitarbeiter |
Die Zeitwerte sind Schätzungen: 15 Min. je Erstkontakt, 2,5 h je Termin inkl. Fahrt, 1,5 h je Angebot. Junghirsch nennt online keine Honorare; das Werbebudget zahlt der Betrieb bei uns immer direkt an Meta/Google.
Der dritte Block wird chronisch unterschätzt. Bleiben wir beim Beispiel: 271 qualifizierte Anfragen brauchen je einen Erstkontakt innerhalb von zwei Stunden, sagen wir 15 Minuten inklusive Notiz, also 68 Stunden. 122 vereinbarte Termine bedeuten mit Fahrt und Aufmaß etwa 2,5 Stunden je Termin, 305 Stunden. 77 Angebote zu 1,5 Stunden sind 115 Stunden. Zusammen rund 490 Stunden Vertriebszeit im Jahr, knapp zehn Stunden pro Woche.
Wer diese zehn Stunden nicht hat oder nicht delegiert, verbrennt das Werbebudget. Die Harvard-Studie „The Short Life of Online Sales Leads“ (2011) zeigt, warum: Unternehmen brauchen im Schnitt 42 Stunden für die erste Reaktion, 23 % antworten nie. Wer binnen einer Stunde reagiert, hat eine siebenmal höhere Chance auf ein qualifiziertes Gespräch. Wie Sie diese zweite Hälfte des Prozesses organisieren, steht im Leitfaden zum Vertrieb im Handwerksbetrieb vom Erstkontakt bis zum Auftrag.
Wie verteilen Sie das Budget übers Jahr?
Verteilen Sie das Budget nach Nachfragekurve, aber schalten Sie es nie ganz ab. Fenster und Türen haben ihre Anfrage-Spitzen im Februar bis Mai und September bis November. Sinnvoll ist, etwa 60 % des Jahresbudgets in diese sieben Monate zu legen und 40 % in die restlichen fünf.
Der Winter ist dabei kein toter Monat, sondern günstig: Im Jänner liegt der Meta-CPM 20 bis 40 % unter dem Jahresschnitt, im November 2025 lag er in Deutschland bei 23,74 € gegenüber 14,80 € im Jahresmittel (Ostend Digital, 2026). Wer in Jänner und Februar wirbt, kauft Reichweite mit Rabatt und füllt den Auftragsvorrat für das Frühjahr. Den Kampagnenkalender je Gewerk finden Sie im Artikel zur Auslastung im Winter und Saisonplanung für 10 Gewerke.
Warum gibt es ein Mindestbudget? Die Lernphase der Plattformen
Unter einem bestimmten Budget lernen Meta und Google nicht, wem sie Ihre Anzeige zeigen sollen, und der Preis je Anfrage bleibt hoch. Meta verlässt die Lernphase erst nach rund 50 Optimierungsereignissen in einem rollierenden Sieben-Tage-Fenster. Die Faustformel dafür lautet: Ziel-Kosten je Ereignis mal 50 geteilt durch 7 ergibt das nötige Tagesbudget.
Für einen regionalen Handwerksbetrieb ist diese Schwelle selten voll erreichbar, und das ist in Ordnung. Kampagnen laufen dann mit dem Status „Lernphase eingeschränkt“ und liefern trotzdem, nur mit mehr Schwankung. Praktisch heißt das: Unter 300 € im Monat für Google und 600 € für Meta bekommt der Algorithmus zu wenig Daten (webtak, 2026). Erfahrungswert aus unseren Kampagnen (2024–2026): Betriebe ab 500.000 € Umsatz arbeiten mit 1.500 bis 3.000 € Werbebudget im Monat, das direkt an die Plattform geht.
Das funktioniert nicht, wenn Ihr Betrieb unter etwa 500.000 € Umsatz liegt oder Sie nur drei zusätzliche Aufträge im Jahr brauchen. Dann ist ein Mindestbudget von 1.500 € im Monat unverhältnismäßig, und Empfehlungsprogramm, Google-Unternehmensprofil und ein sauberer Nachfassprozess bringen mehr je eingesetztem Euro. Ein System rechnet sich erst, wenn die Kapazität für mindestens zehn bis fünfzehn zusätzliche Aufträge im Jahr da ist.
Profit First auf Marketing übertragen: ein fester Prozentsatz, jeden Monat
Mike Michalowicz dreht in „Profit First“ (2014) die Gewinnformel um: Umsatz minus Gewinn ergibt Kosten. Der Gewinn wird bei jedem Zahlungseingang als fester Prozentsatz auf ein eigenes Konto abgezweigt, bevor irgendjemand Rechnungen bezahlt. Der Hintergrund ist das Parkinsonsche Gesetz: Ausgaben passen sich dem verfügbaren Geld an.
Übertragen auf Marketing: Legen Sie ein „Anfragen-Konto“ an und überweisen Sie bei jedem Zahlungseingang einen festen Prozentsatz dorthin, zum Beispiel 1,5 % jeder Kundenzahlung. Bei 2,6 Mio. € Umsatz sind das 39.000 € im Jahr, genug für Werbebudget und Betreuung im Beispiel. Das Budget existiert dann unabhängig von Laune, Auftragslage und der Frage, ob gerade ein Lkw gekauft wurde.
Der Effekt ist psychologisch: Sie entscheiden nicht mehr jeden Monat neu, ob Sie werben. Sie haben entschieden, und das Geld liegt bereit. Genau das unterscheidet Betriebe, die planbar Anfragen bekommen, von Betrieben, die „mal was probieren“.
Welche fünf Kennzahlen müssen Sie tracken?
Fünf Zahlen reichen, um ein Marketingbudget zu steuern, und alle fünf passen auf eine Seite im Büro. Wer mehr misst, misst meist Klicks, und Klicks bezahlen keine Löhne.
- Kosten je qualifizierter Anfrage (Werbebudget geteilt durch qualifizierte Anfragen), monatlich, gegen den Korridor Ihres Gewerks.
- Terminquote und Erscheinungsquote (qualifiziert zu Termin vereinbart; vereinbart zu stattgefunden). Erfahrungskorridor: 40 bis 60 % und 80 bis 91 %.
- Abschlussquote (Angebot zu Auftrag). Korridor 25 bis 40 %; sinkt sie unter 20 %, liegt das Problem im Nachfassen, nicht im Budget.
- Kosten je Auftrag (alle Akquisekosten geteilt durch Aufträge) und ihr Anteil am Auftragswert.
- Auftragsvorrat in Wochen (offene Auftragssumme geteilt durch Wochenkapazität in Euro). Der ZDH meldet für das Handwerk 8,7 Wochen (Q2/2026). Fällt Ihr Vorrat unter Ihren Zielwert, wird das Budget hochgefahren, nicht erst, wenn das Team leerläuft.
Die häufigsten Fehler beim Marketingbudget
Der teuerste Fehler ist, das Budget monatlich hin- und herzuschieben. Ein Betrieb startet mit 2.000 €, sieht nach drei Wochen zwei Aufträge, kürzt auf 800 €, ärgert sich über wenige Anfragen, stoppt, startet im Herbst neu. Jede Änderung wirft die Kampagne in die Lernphase zurück, und jeder Neustart kostet die ersten zwei bis vier Wochen Daten. Nach unserer Erfahrung liefern Kampagnen, die sechs Monate konstant laufen, deutlich gleichmäßigere Anfragekosten als Kampagnen mit monatlichen Eingriffen.
- Nach drei Wochen urteilen. Bei 22.000 € Auftragswert dauert es vom Erstkontakt bis zur Unterschrift oft vier bis zehn Wochen. Beurteilen Sie nach Terminen, nicht nach Aufträgen in Woche drei.
- Alles in die Website stecken. 94 % der Handwerksbetriebe haben eine Website, aber nur 37 % schalten Online-Anzeigen (Bitkom, 2025). Eine schöne Seite ohne Besucher erzeugt keine Termine.
- Klicks und Reichweite als Ziel. Die einzige Frage lautet: Wie viele Aufmaßtermine zu welchem Preis?
- Preis je Anfrage vergleichen statt Preis je Auftrag. Siehe oben.
- Ohne Kapazitätsplan werben. Wer 23 zusätzliche Aufträge nicht montieren kann, kauft Anfragen, die zu Absagen werden.
- Budget aus dem Rest finanzieren. Was am Monatsende übrig ist, ist selten etwas. Fester Prozentsatz, siehe Profit First.
Was in Österreich anders ist
In Österreich gibt es für die Planung des Marketingbudgets eine geförderte Beratung: KMU.DIGITAL, getragen vom Wirtschaftsministerium und der WKO, fördert seit 12. Jänner 2026 eine Status- und Potenzialanalyse mit 80 % der Kosten bis 400 € und eine Strategieberatung mit 50 % bis 1.000 €, insgesamt bis zu 3.000 € je Betrieb.
Einer der vier Schwerpunkte ist E-Commerce und Online-Marketing. Die Anträge laufen über den aws-Fördermanager, die Beratungsförderung ist bis 31. Dezember 2026 befristet. Für das Modul Umsetzung gelten eigene Bedingungen, die Sie vor dem Antrag bei WKO oder aws prüfen sollten.
Ein zertifizierter Berater rechnet mit Ihnen die Rückwärtsrechnung durch und prüft, ob CRM, Landingpage und Telefonprozess mitspielen. Die WKO-Fachgruppen Ihrer Innung, etwa die Landesinnung der Tischler oder der Installateure in Oberösterreich, veröffentlichen zudem Kalkulationshilfen, aus denen sich Stundensatz und Deckungsbeitrag sauber ableiten lassen. Stundensätze liegen in Österreich 2026 bei 60 bis 95 € (verhandelt.at).
Für die Schweiz gilt die Rechnung mit Offerte statt Angebot und CHF statt Euro; die dort verbreitete Empfehlung von 3 bis 7 % vom Umsatz (3w-stratego) ist für Betriebe im Wachstum ein realistischerer Rahmen als 2 bis 5 %.
Was bleibt
Streichen Sie die Prozentregel aus dem Kopf und rechnen Sie einmal rückwärts: Zielumsatz, Auftragswert, Ihre vier Quoten, Kosten je Anfrage. Die Zahl, die dabei herauskommt, ist Ihr Werbebudget, und die Obergrenze je Anfrage aus dem Deckungsbeitrag ist Ihre Verhandlungsbasis gegenüber jedem Anbieter. Legen Sie das Budget als festen Prozentsatz zurück und steuern Sie es an fünf Kennzahlen. Dann geht es nie wieder um die Frage, ob Marketing „zu teuer“ ist, sondern nur noch darum, ob es liefert.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent vom Umsatz sollte ein Handwerksbetrieb für Marketing ausgeben?
Die gängige Faustregel nennt 2 bis 5 % vom Umsatz (handwerk.com), Schweizer Berater 3 bis 7 %. Für Wachstum ist die Prozentzahl aber ungeeignet, weil sie am alten Umsatz hängt. Rechnen Sie stattdessen rückwärts vom Zielumsatz über Auftragswert, Abschlussquote, Termine und Anfragen zum Budget. Im Beispiel eines Fensterbauers ergeben 500.000 € Mehrumsatz rund 19.000 € Werbebudget im Jahr.
Was ist ein realistisches Werbebudget pro Monat für einen Handwerksbetrieb?
Erfahrungswert aus unseren Kampagnen (2024–2026): Betriebe ab 500.000 € Umsatz arbeiten mit 1.500 bis 3.000 € Werbebudget im Monat, das direkt an Meta oder Google geht. Darunter bekommen die Plattformen zu wenig Daten; als Untergrenze gelten etwa 300 € für Google und 600 € für Meta. Honorar für Betreuung und die eigene Vertriebszeit kommen dazu.
Wie berechne ich, was eine Anfrage maximal kosten darf?
Nehmen Sie den Deckungsbeitrag je Auftrag und legen Sie fest, welcher Anteil in die Neukundengewinnung fließen darf, zum Beispiel 20 %. Teilen Sie diesen Betrag durch die Zahl der Anfragen, die Sie je Auftrag brauchen. Bei 6.600 € Deckungsbeitrag, 20 % Anteil und 11,8 Anfragen je Auftrag darf eine qualifizierte Anfrage bis zu 112 € kosten.
Was ist der Unterschied zwischen Kosten je Lead und Kosten je Auftrag?
Kosten je Lead sind das Werbebudget geteilt durch die Anfragen. Kosten je Auftrag (CAC) sind alle Akquisekosten, also Werbebudget, Honorar und Vertriebszeit, geteilt durch die gewonnenen Aufträge. Nur die zweite Zahl sagt, ob sich Marketing rechnet. Eine teure exklusive Anfrage mit hoher Abschlussquote ist je Auftrag oft günstiger als eine billige Portalanfrage, die an mehrere Betriebe geht.
Soll ich das Werbebudget im Winter stoppen?
Nein, senken ja, stoppen nein. Im Jänner liegt der Meta-CPM 20 bis 40 % unter dem Jahresschnitt (Ostend Digital, 2026), und viele Bauherren planen im Winter Projekte für das Frühjahr. Ein Stopp wirft die Kampagne zurück in die Lernphase und kostet beim Neustart zwei bis vier Wochen Daten. Sinnvoll ist eine Verteilung von etwa 60 % des Jahresbudgets in den Peak-Monaten und 40 % in der Nebensaison.
Gibt es in Österreich Förderungen für Online-Marketing?
Ja, über KMU.DIGITAL: Das Programm von Wirtschaftsministerium und WKO fördert seit 12. Jänner 2026 eine Status- und Potenzialanalyse mit 80 % bis 400 € und eine Strategieberatung mit 50 % bis 1.000 €, insgesamt bis zu 3.000 € je Betrieb. Online-Marketing ist einer der vier Schwerpunkte. Die Beratungsförderung läuft bis 31. Dezember 2026, Anträge über den aws-Fördermanager.
Wie sieht ein Neukunden-System für Ihr Gewerk aus?
Im Erstgespräch rechnen wir mit Ihren Zahlen: wie viele qualifizierte Anfragen Sie brauchen, was sie in Ihrer Region kosten und ob sich ein System für Ihren Betrieb rechnet. Ehrlich, auch wenn die Antwort nein ist.
Quellen
- Was Marketing kosten darf – handwerk.com
- CMO Spend Survey: Marketing Budgets Flatlined at 7.7 % of Revenue – Gartner (2025)
- The CMO Survey, Topline Report – Duke University / Deloitte (Februar 2025)
- Marketingbudget für Handwerksbetrieb – wie viel ist sinnvoll? – 3w-stratego (CH, 2026)
- Performance-Marketing-Budget für Handwerker – webtak (2026)
- Kundengewinnung Handwerk: Kosten & Marketingbudget 2026 – Anfragenfluss (2026)
- Lernphase bei Meta Ads: Definition und Ausstieg – AdsSensor (2026)
- Werbung im Q4: CPM-Entwicklung Meta und Google – Ostend Digital (2026)
- The Short Life of Online Sales Leads – Harvard Business Review (2011)
- Kurzbericht Konjunktur 2. Quartal 2026 – ZDH (2026)
- Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk Q1/2026 – WKO / KMU Forschung Austria (2026)
- Digitalisierung des Handwerks – Bitkom (2025)
- Fragen und Antworten zur KMU.DIGITAL-Beratungsförderung – WKO / BMWET (2026)
- Neue Fördermittel für KMU.DIGITAL ab 12. Jänner 2026 – WKO (2026)
- Handwerker-Kosten in Österreich: Stundensätze 2026 – verhandelt.at (2026)
- Nicht um jeden Preis – Roman Kmenta (2016)
- Profit First Percentages (Mike Michalowicz, Profit First, 2014) – Relay (2025)
- Check24 Profis Erfahrungen aus Betriebssicht – Küchenmontage Hamburg (2025)
- Case Kläusler Fenster: 438 Anfragen in 12 Monaten – Junghirsch (2026)