- 83 % der Kunden finden ihren Handwerker über persönliche Empfehlung, nur 14 % über soziale Medien (Bitkom 2025); 89 % der Menschen vertrauen Empfehlungen von Bekannten (Nielsen 2021).
- Empfohlene Kunden waren in einer Studie mit 9.814 Bankkunden über sechs Jahre 16 % wertvoller und wanderten 18 % seltener ab, bei nur 25 € Prämie (Schmitt, Skiera, Van den Bulte 2011).
- Der Empfehlungsstrom versiegt aus vier Gründen: Konjunktur (Auftragsreichweite 8,7 Wochen, ZDH Q2/2026), Generationswechsel der Kunden, abgelehnte Anfragen aus den Boomjahren und fehlende Online-Bestätigung.
- Ein Empfehlungssystem besteht aus fünf festen Schritten: Abnahme-Moment, konkrete Bitte nach einer Person, beidseitige Prämienkarte, zehn bis fünfzehn gepflegte Partner und Sichtbarkeit rund um jede Baustelle.
- Eine Empfehlungsprämie ist in Deutschland und Österreich zulässig, wenn sie offen ausgewiesen ist und der Empfohlene nicht unaufgefordert kontaktiert wird; 0,5 bis 1 % des Auftragswerts sind angemessen.
- Im Rechenbeispiel steigt ein Installateur mit 90 Aufträgen im Jahr von 13 % auf 22 % Empfehlungsquote und gewinnt rund 120.000 € Jahresumsatz, aber Wachstum um 33 Aufträge liefert das System nicht.
Empfehlungen sind der beste Kanal, den ein Handwerksbetrieb hat, und der einzige, den er nicht steuern kann. 83 % der Kunden finden ihren Handwerker über persönliche Empfehlung (Bitkom, 2025), aber kein Betrieb kann am Montag entscheiden, dass er diese Woche fünf davon bekommt. Planbar wird der Kanal erst, wenn Sie ihn wie einen Prozess behandeln: mit festem Zeitpunkt, fester Bitte, festem Anlass und einer Kennzahl.
Der Grund, warum das gerade jetzt wichtig ist, steht in den Konjunkturzahlen. Die Auftragsreichweite im deutschen Handwerk liegt bei 8,7 Wochen, die Auslastung bei 76 % (ZDH, Q2/2026); Österreichs Gewerbe und Handwerk verlor 2025 real 3,3 % Umsatz (WKO, 2026). Wer zwei Jahre lang Anfragen abgelehnt hat, merkt jetzt, dass der Empfehlungsstrom dünner geworden ist. Dieser Artikel ist Teil unseres Leitfadens zur Neukundengewinnung im Handwerk.
Sie bekommen hier die Zahlen zum Kanal, die vier Gründe, warum er versiegt, ein Empfehlungssystem in fünf Schritten mit wörtlichen Vorlagen, den Net Promoter Score als Frühwarnsystem, ein Rechenbeispiel zur Empfehlungsquote und eine ehrliche Grenze: Empfehlungen skalieren nicht.
Warum Empfehlungen der beste und zugleich unplanbarste Kanal sind
Empfohlene Kunden sind günstiger, treuer und wertvoller als alle anderen, aber sie kommen, wann sie wollen. Eine Studie der Universität Frankfurt und der Wharton School mit 9.814 Bankkunden zeigte, dass empfohlene Kunden über sechs Jahre einen um 16 % höheren Wert hatten und zu jedem Zeitpunkt um 18 % seltener abwanderten (Schmitt, Skiera, Van den Bulte, Journal of Marketing 2011). Die Prämie betrug 25 €.
Für das Handwerk sind die Zahlen ähnlich deutlich. In einer älteren Erhebung der Würth-Gruppe gewannen Betriebe 43,1 % ihrer Kunden über Empfehlungen von Freunden und Bekannten und weitere 21,8 % über Bestandskunden, zusammen also rund zwei Drittel (Handwerksblatt, 2009). In der YouGov-Umfrage 2021 nannten 34 % der Deutschen die Empfehlung als entscheidendes Kriterium für die Handwerkerwahl, der niedrige Preis kam auf 11 %.
Warum wirkt das so stark? Weil Menschen der Empfehlung mehr vertrauen als jeder Werbung. In der Nielsen-Studie „Trust in Advertising“ 2021 mit 43.000 Befragten in 56 Ländern vertrauten 89 % persönlichen Empfehlungen von Bekannten, aber nur 23 % Influencer-Werbung. Ein empfohlener Kunde holt seltener Vergleichsangebote, verhandelt weniger und erscheint zuverlässiger zum Termin.
Das Problem: Sie können die Zahl der Empfehlungen nicht auf Knopfdruck erhöhen. Sie können nur die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein zufriedener Kunde tatsächlich spricht. Genau darum geht es in diesem Artikel.
Warum der Empfehlungsstrom versiegt
Vier Ursachen wirken 2026 gleichzeitig, und keine davon hat mit Ihrer Arbeitsqualität zu tun.
- Konjunktur: Die Sanierungsentscheidung wird verschoben. Beim Poolbau in Oberösterreich sanken die Anfragen um 30 bis 40 % (Volksblatt, 2023). Ein zufriedener Kunde empfiehlt Sie weiter, aber sein Nachbar baut dieses Jahr trotzdem nicht.
- Generationswechsel bei den Kunden: Die Stammkunden, die Sie seit 1998 empfehlen, sind heute 70. Ihre Kinder wohnen in Linz oder Graz und googeln. 57 % der mittelständischen Inhaber sind selbst 55 oder älter (KfW, 2026); das gilt für die Kundschaft der Gründergeneration ebenso.
- Auslastung: Wer 2021 bis 2023 jede zweite Anfrage abgelehnt hat, hat auch jede zweite Empfehlung verbrannt. Der abgewiesene Nachbar empfiehlt Sie nicht; er empfiehlt den Betrieb, der Zeit hatte.
- Sichtbarkeit: Die Empfehlung findet heute online ihre Bestätigung. 97 % der Konsumenten lesen Bewertungen, 31 % ziehen nur Betriebe ab 4,5 Sternen in Betracht (BrightLocal, 2026, US). Ein empfohlener Betrieb mit 3,9 Sternen und 11 Bewertungen verliert die Empfehlung im Netz.
McKinsey beschrieb schon 2009 in der „Consumer Decision Journey“, dass zwei Drittel der Berührungspunkte in der aktiven Bewertungsphase vom Konsumenten ausgehen: Bewertungen, Gespräche, Mundpropaganda. Der Betrieb sitzt bei diesen Gesprächen nicht am Tisch. Er kann nur dafür sorgen, dass sein Name fällt und dass die anschließende Suche ihn bestätigt.
Was ein Empfehlungssystem ist – und was es nicht ist
Ein Empfehlungssystem ist ein festgelegter Ablauf, der bei jedem abgeschlossenen Auftrag dieselben fünf Handlungen auslöst: Abnahme-Moment, konkrete Bitte, Empfehlungswerkzeug, Partnerpflege und Nachbarschaftssichtbarkeit. Es ist kein Rabattprogramm und kein „Wir freuen uns über Weiterempfehlung“ auf der Rechnung. Der Unterschied liegt darin, dass jemand im Betrieb dafür zuständig ist und eine Zahl dazu führt.
Wir verkaufen selbst ein Neukunden-System auf Basis bezahlter Werbung; ein funktionierendes Empfehlungssystem macht es nicht überflüssig, aber günstiger, weil empfohlene Kunden besser abschließen. Wenn Sie sehen wollen, wie beides zusammen für Ihr Gewerk aussieht: Erstgespräch vereinbaren.
Nehmen wir für die fünf Schritte einen Installateur aus dem Bezirk Amstetten mit 18 Mitarbeitern und 2,4 Mio. € Umsatz, der jährlich rund 90 Badsanierungen und Heizungstausche für Privatkunden abschließt und bislang „zu 80 % von Empfehlungen lebt“, ohne das je gemessen zu haben.
Schritt 1: Der Moment der Abnahme
Die Empfehlung entsteht nicht beim Zahlen der Rechnung, sondern in den zehn Minuten, in denen der Kunde sein neues Bad zum ersten Mal sauber und fertig sieht. Robert Cialdini beschreibt in „Influence“ (1984, Neuausgabe 2021) das Prinzip der Reziprozität: Wer etwas bekommt, das er nicht erwartet hat, will etwas zurückgeben. Dieses Fenster ist bei der Abnahme offen und drei Wochen später geschlossen.
Der Installateur aus Amstetten legt deshalb fest, dass jede Abnahme drei Bausteine hat: Der Monteur führt den Kunden durch die Anlage und erklärt zwei Dinge, die der Kunde nicht wusste (zum Beispiel den Filterwechsel). Er übergibt eine Mappe mit Wartungsplan, Garantieunterlagen und einer Empfehlungskarte. Und er hinterlässt eine Kleinigkeit, die nichts mit dem Auftrag zu tun hat: ein Handtuchset mit Betriebslogo, Einkaufswert 14 €.
Daniel Kahneman zeigt in „Thinking, Fast and Slow“ (2011), dass Menschen Erlebnisse nach ihrem Höhepunkt und ihrem Ende bewerten. Das Ende einer Sanierung ist die Abnahme, nicht die 14 Tage Staub davor. Wer die Abnahme sauber inszeniert, überschreibt im Gedächtnis des Kunden die Baustellenwochen.
Schritt 2: Die konkrete Bitte
Bitten Sie nie allgemein um Weiterempfehlung, sondern nach einer bestimmten Person für ein bestimmtes Projekt. „Empfehlen Sie uns gerne weiter“ erzeugt ein Nicken und keine Handlung. Der Satz, der funktioniert, lautet in der Beispielfirma so:
- „Frau Huber, sind Sie mit dem Ergebnis so zufrieden, wie Sie es sich vorgestellt haben?“ (Warten. Wenn ja, weiter. Wenn nein, sofort klären, nicht bitten.)
- „Das freut mich. Wir arbeiten fast nur auf Empfehlung, deshalb eine Frage: Wer in Ihrem Umfeld überlegt gerade, sein Bad oder seine Heizung zu machen?“
- „Darf ich Ihnen zwei unserer Karten dalassen? Wenn die Person anruft und Ihren Namen nennt, bekommen Sie beide etwas davon. Wir melden uns bei niemandem von selbst.“
- „Und wenn Sie zwei Minuten haben: Der Link auf der Karte führt zu unserer Google-Bewertung. Das hilft uns mehr als jede Anzeige.“
Punkt 3 ist entscheidend, auch rechtlich: Der Kunde gibt die Karte weiter, nicht Sie die Daten. Sie rufen niemanden an, dessen Nummer Ihnen ein Dritter genannt hat. Und der Satz „wer überlegt gerade“ liefert eine Person statt einer Höflichkeitsfloskel, weil er das Gehirn des Kunden zum Suchen zwingt.
Schritt 3: Empfehlungskarte und Prämie – rechtlich sauber
Eine Prämie für Empfehlungen ist in Deutschland und Österreich zulässig, solange sie offen ausgewiesen ist und den Empfohlenen nicht in die Irre führt oder belästigt. Die deutsche Rechtsprechung hat die früher strenge Linie zur sogenannten Laienwerbung aufgegeben: Die Prämie allein macht die Werbung nicht unlauter; unzulässig ist nur die verdeckte Laienwerbung, bei der der Empfehlende sein Prämieninteresse verschweigt (BGH, I ZR 138/92, 1994; Überblick bei webshoprecht.de).
Praktisch heißt das für die Karte:
- Beidseitige Prämie: Der Empfehlende und der Empfohlene bekommen etwas. Das nimmt der Empfehlung den Beigeschmack des Verkaufens.
- Prämie auf der Karte sichtbar, nicht im Kleingedruckten: „Sie erhalten einen 100-€-Gutschein, Ihr Bekannter 100 € Nachlass auf die Montage.“
- Auslösung erst bei Auftrag, nicht bei Anfrage. Sonst bezahlen Sie Preisabfrager.
- Sachprämie oder Gutschein statt Bargeld. Ein Wellness-Gutschein aus der Region wirkt wertiger als ein 100-€-Schein und ist als Werbeaufwand sauber verbucht.
- Höhe: 0,5 bis 1 % des typischen Auftragswerts. Bei 25.000 € Badsanierung sind 100 bis 250 € angemessen; die Frankfurter Studie erreichte mit 25 € einen Wertvorsprung von 40 € je Kunde.
Die Prämie ist dabei nicht der Auslöser, sondern die Erlaubnis. Die meisten Kunden empfehlen nicht wegen 100 €, aber die Karte gibt ihnen einen Grund, im richtigen Moment den Namen zu nennen, und Ihnen einen Grund, danach zu fragen.
Schritt 4: Das Partnernetzwerk
Zehn gepflegte Partner bringen einem Installateur mehr Empfehlungen als 200 zufriedene Privatkunden, weil sie jedes Jahr wieder in der Entscheidungssituation sind. Chet Holmes nennt das in „The Ultimate Sales Machine“ (2007) die „Dream 100“: die wichtigsten Multiplikatoren identifizieren und über Monate systematisch mit Nutzen versorgen, nicht mit Bitten.
| Partner | Warum er empfiehlt | Was er von Ihnen braucht | Was Sie geben | Rhythmus |
|---|---|---|---|---|
| Baumeister / Bauunternehmer | Braucht verlässliche Subunternehmer, die Bauzeit halten | Termintreue, saubere Baustelle, schnelle Reklamationsbearbeitung | Gegenempfehlung bei Umbauten, gemeinsame Angebote | Quartalsweise Anruf, 1 Baustellenbesuch/Jahr |
| Architekt / Planer | Will Detaillösungen, die seine Planung nicht gefährden | Fachliche Rückmeldung in der Planungsphase, keine Preisdiskussion vor dem Kunden | Musterkoffer, Produktschulung, Referenzfotos für sein Portfolio | 2 Kontakte/Jahr mit Mehrwert, kein Bittgang |
| Hausverwaltung | Hat Dauerbedarf, will einen Anruf statt fünf | Notdienst-Erreichbarkeit, Pauschalpreise für Standardarbeiten, Rechnungen ohne Rückfragen | Rahmenvereinbarung, feste Ansprechperson, Reaktionszusage 24 h | Monatliche Kurzabstimmung |
| Energieberater | Empfiehlt Umsetzer für seine Konzepte | Förderkonforme Ausführung, Nachweise pünktlich | Förder-Updates, gemeinsame Infoabende | Bei jeder Förderänderung |
| Küchenstudio / Fliesenleger / Elektriker | Braucht das Nachbargewerk auf derselben Baustelle | Abstimmung ohne Reibung, gleiche Qualitätsvorstellung | Gegenseitige Empfehlungskarten, gemeinsame Bautafel | Nach jedem gemeinsamen Projekt |
| Bestandskunden mit Netzwerk (Vereinsobmann, Gemeinderat, Lehrerin) | Werden oft gefragt, kennen viele | Das Gefühl, jemandem einen Gefallen zu tun, nicht Ihnen | Vorrang bei Terminen, kleine Aufmerksamkeit zu Weihnachten | 1 persönlicher Kontakt/Jahr |
Nach dem Dream-100-Prinzip (Chet Holmes, The Ultimate Sales Machine, 2007), auf 10–15 Namen begrenzt. Illustrative Zuordnung.
Der Installateur aus Amstetten hat seine Liste auf zwölf Namen begrenzt: drei Baumeister, zwei Architekten, zwei Hausverwaltungen, einen Energieberater, zwei Küchenstudios, einen Fliesenleger, einen Elektriker. Jeder bekommt viermal im Jahr einen Kontakt, der ihm nützt: eine Förderinfo, eine Baustellenführung, eine Einladung, ein gemeinsames Angebot. Aufwand: rund vier Stunden im Monat, fest im Kalender des Inhabers.
Wichtig ist die Gegenseitigkeit. Ein Baumeister empfiehlt den Installateur, der ihm selbst Aufträge zuspielt, dessen Monteure auf der Baustelle keinen Ärger machen und der bei Reklamationen am selben Tag kommt. Die Empfehlung kommt, weil Sie den Partner entlasten, nicht weil Sie ihn eingeladen haben.
Schritt 5: Nachbarschafts-Marketing rund um die Baustelle
Jede Baustelle ist eine Empfehlung, die noch niemand ausgesprochen hat. Die Nachbarn sehen drei Wochen lang Ihre Fahrzeuge, Ihr Team und Ihren Container. Byron Sharp beschreibt in „How Brands Grow“ (2010), dass Marken über mentale Verfügbarkeit gewinnen: Sie werden im Kaufmoment erinnert, weil sie vorher oft und wiedererkennbar sichtbar waren. Für ein Einzugsgebiet von 40 Kilometern ist das machbar.
Drei Maßnahmen, die der Beispielbetrieb bei jeder Baustelle über 10.000 € Auftragswert umsetzt:
- Bautafel: Ein Schild am Zaun mit Gewerk, Ort, Telefonnummer und QR-Code zur Anfrageseite, nur mit Zustimmung des Kunden. Kosten einmalig etwa 90 € je Tafel, wiederverwendbar.
- Nachbarschaftskarte: Am ersten Baustellentag bekommen die 30 nächsten Haushalte eine Karte: „Wir sanieren bis 24. Oktober das Bad bei Familie Huber. Wenn es laut wird, entschuldigen wir uns. Wenn Sie Fragen zu Ihrem Bad haben, kommen wir gern kurz vorbei.“ Rücklauf nach Erfahrung des Betriebs: ein bis zwei Gespräche je Baustelle.
- Geo-Anzeige: Eine Facebook- und Instagram-Anzeige im Radius von zwei Kilometern um die Baustelle, mit Foto der Baustelle und dem Ortsnamen, 5 bis 10 € Tagesbudget für zwei Wochen. Wie Sie das aufsetzen, steht im Artikel zu Facebook- und Instagram-Werbung für Handwerksbetriebe.
Erfahrungswert aus unseren Kampagnen (2024–2026): Anzeigen, die eine konkrete laufende Baustelle im Ort zeigen und den Ortsnamen im Bild tragen, gehören in fast jedem Gewerk zu den Motiven mit den niedrigsten Kosten je qualifizierter Anfrage. Der Grund ist derselbe wie bei der Empfehlung: Der Betrieb ist erkennbar schon in der Nachbarschaft tätig.
NPS als Frühindikator: Eine Frage nach jedem Auftrag
Ob Ihr Empfehlungsstrom in sechs Monaten noch fließt, sehen Sie heute an einer einzigen Frage: „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie uns einem Freund empfehlen, auf einer Skala von 0 bis 10?“ Fred Reichheld stellte den Net Promoter Score 2003 im Harvard Business Review vor; er fand ihn in 11 von 14 Branchen als besten oder zweitbesten Wachstumsindikator. Eine Replikation von MeasuringU zeigte später deutlich schwächere Vorhersagekraft, das Maß ist also nützlich, aber kein Orakel.
Für einen Handwerksbetrieb reicht die einfache Form. Vorlage für die SMS oder WhatsApp-Nachricht drei Tage nach Abnahme:
- „Guten Tag Frau Huber, hier ist Markus vom Installateur Beispiel. Eine kurze Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie uns weiterempfehlen, von 0 bis 10? Antworten Sie einfach mit der Zahl. Danke.“
- Bei 9 oder 10: „Danke. Wenn Sie zwei Minuten haben: [Google-Bewertungslink]. Und die Empfehlungskarte aus Ihrer Mappe gilt weiterhin.“
- Bei 7 oder 8: „Danke für die ehrliche Zahl. Was hätten wir besser machen können?“ (Antwort lesen, nicht rechtfertigen.)
- Bei 0 bis 6: Anruf des Inhabers innerhalb von 24 Stunden. Keine Bewertungsbitte, keine Karte.
Der NPS ist Promotoren (9–10) minus Kritiker (0–6) in Prozent. Wenn er von Quartal zu Quartal fällt, fällt Ihr Empfehlungsstrom sechs Monate später. Der Rest des Systems, insbesondere die Google-Bewertungen nach System, hängt direkt an dieser Frage.
Wie Sie Ihre Empfehlungsquote berechnen
Die Empfehlungsquote ist der Anteil der abgeschlossenen Aufträge, die zu mindestens einer neuen Anfrage führen. Kaum ein Betrieb kennt sie, weil niemand bei der Anfrage fragt „Wie sind Sie auf uns gekommen?“ und die Antwort notiert. Führen Sie diese Frage im Telefonleitfaden ein; mehr dazu im Artikel über Anfragen qualifizieren am Erstkontakt.
| Kennzahl | Definition | Typischer Ausgangswert | Zielwert nach 12 Monaten |
|---|---|---|---|
| Anfragequelle erfasst | Anteil der Anfragen, bei denen „Wie sind Sie auf uns gekommen?“ notiert ist | unter 20 % | über 95 % |
| Empfehlungsanteil an Anfragen | Anfragen mit Quelle Empfehlung / alle Anfragen | unbekannt, gefühlt „80 %“ | gemessen; 30–50 % bei aktiver Werbung |
| Empfehlungsquote | Aufträge, die zu mindestens einer neuen Anfrage führen / alle Aufträge | 10–15 % | 20–25 % |
| NPS | Promotoren (9–10) minus Kritiker (0–6), in Prozent | nicht erhoben | über 60, Antwortquote über 50 % |
| Abschlussquote empfohlene Anfragen | Aufträge / Angebote aus Empfehlungsanfragen | 50–60 % | 60–70 % |
| Partnerkontakte | Kontakte mit Mehrwert zu den 10–15 Listenpartnern | sporadisch | 4 je Partner und Jahr |
| Bewertungen je Auftrag | Neue Google-Bewertungen / abgeschlossene Aufträge | 5–10 % | 30–40 % |
Ausgangs- und Zielwerte sind Erfahrungskorridore aus Junghirsch-Partnerbetrieben 2024–2026, keine Garantie. Die Abschlussquote bei Kaltanfragen liegt zum Vergleich bei 25–40 %.
Rechenbeispiel (illustrativ): Der Installateur aus Amstetten schließt 90 Aufträge im Jahr ab. Vor dem System führten geschätzt 12 davon zu einer Empfehlungsanfrage, Empfehlungsquote 13 %. Mit Abnahme-Ritual, Karte und NPS-Frage steigt die Quote im zweiten Jahr auf 22 %, also 20 Empfehlungsanfragen. Bei 65 % Abschluss (empfohlene Kunden schließen besser ab als der Korridor von 25–40 % bei Kaltanfragen) ergibt das 13 statt 8 Aufträge, bei 24.000 € Durchschnittswert 120.000 € zusätzlicher Jahresumsatz.
Kosten: 13 Prämien à 150 €, 90 Handtuchsets à 14 €, 25 Bautafeln-Einsätze, rund 60 Stunden Inhaber- und Bürozeit. Zusammen etwa 7.500 €. Das ist kein Grund, auf Werbung zu verzichten, aber ein Grund, dieses System zuerst zu bauen.
Wo Empfehlungen an ihre Grenze kommen
Das funktioniert nicht, wenn Sie wachsen wollen. Empfehlungen sind ein Prozentsatz Ihrer bisherigen Aufträge; sie können den Bestand halten, aber keinen Sprung erzeugen. Der Installateur aus dem Beispiel will von 2,4 auf 3,2 Mio. € Umsatz, also rund 33 zusätzliche Aufträge im Jahr. Sein Empfehlungssystem liefert im besten Fall 5 davon. Die anderen 28 müssen aus einem Kanal kommen, den er am Montag hochdrehen kann.
Drei weitere Grenzen, die Sie kennen sollten:
- Empfehlungen sind regional und sozial eng. Sie bringen Ihnen Kunden, die Ihren bisherigen Kunden ähneln. Wer vom Massenmarkt ins gehobene Segment will, braucht andere Zugänge.
- Empfehlungen kommen saisonal versetzt. Die Abnahmen im Oktober erzeugen Anfragen im Februar. Wer im Winter Auslastung braucht, kann darauf nicht warten.
- Empfehlungen hängen am Inhaber. Wenn 80 % der Aufträge über „den Chef kennt man“ kommen, ist der Betrieb bei der Übergabe wenig wert. Ein System, das ohne den Inhaber funktioniert, ist auch ein Nachfolge-Argument.
Unter etwa 500.000 € Umsatz ist das Empfehlungssystem oft alles, was ein Betrieb braucht und leisten kann. Darüber wird es zum Fundament, auf dem bezahlte Werbung erst rentabel wird, weil empfohlene und beworbene Kunden denselben Namen im Ort schon gehört haben.
Was in Österreich anders ist
In Österreich regelt das UWG die Grenze: Eine Empfehlungsprämie ist zulässig, unlauter wird es bei aggressiven Praktiken wie hartnäckigem, unerwünschtem Ansprechen per Telefon oder E-Mail und bei Irreführung über das Prämieninteresse (WKO, Überblick UWG). Für den Betrieb heißt das: Der Kunde spricht die Empfehlung aus, Sie kontaktieren niemanden unaufgefordert, und die Prämie steht auf der Karte, nicht im Kleingedruckten. Bei Barprämien an Privatpersonen ist ab spürbaren Beträgen der Steuerberater zu fragen; Gutscheine sind die einfachere Lösung.
Die Landesinnungen sind ein unterschätzter Multiplikator. Ein Installateur, Spengler oder Tischler, der bei Innungsveranstaltungen sichtbar ist, bekommt Empfehlungen von Kollegen, die ausgelastet sind oder das Gewerk nicht abdecken. Der Beispielbetrieb aus Amstetten erhält zwei bis drei Aufträge im Jahr von einem Elektriker aus der Innung, der bei Heizungsfragen nur einen Namen nennt. Auch die WKO-Plattform „Firmen A–Z“ und regionale Baumessen (etwa in Wels oder Ried) sind Orte, an denen Partner Sie finden.
Förderfenster sind in Österreich ein natürlicher Empfehlungsanlass. Der Sanierungsbonus 2026 war am 2. Februar ausgeschöpft, die Kesseltausch-Förderung Mitte Juli (Sanierungsoffensive, 2026). Ein Kunde, dem Sie rechtzeitig „Sagen Sie es Ihrem Nachbarn, das Fenster schließt im Herbst“ mitgeben, empfiehlt Sie mit einem konkreten Grund. In der Schweiz gilt dasselbe für das Gebäudeprogramm der Kantone; ein Sanitär- oder Schreinerbetrieb dort rechnet mit Prämien von CHF 100 bis 300 und beachtet, dass Barprämien an Privatpersonen bei größeren Beträgen zu dokumentieren sind.
Was bleibt
Bauen Sie den Abnahme-Moment als festen Ablauf mit konkreter Bitte und Karte, stellen Sie drei Tage später die NPS-Frage und pflegen Sie zwölf Partner viermal im Jahr. Notieren Sie ab morgen bei jeder Anfrage die Quelle, damit Sie in zwölf Monaten Ihre Empfehlungsquote kennen. Und planen Sie Wachstum nicht mit Empfehlungen, sondern auf ihnen.
Häufige Fragen
Wie viele Kunden gewinnen Handwerker über Empfehlungen?
Rund zwei Drittel. Eine Erhebung der Würth-Gruppe nannte 43,1 % über Empfehlungen von Freunden und Bekannten plus 21,8 % über Bestandskunden (Handwerksblatt, 2009). Aus Kundensicht bestätigt das eine Bitkom-Umfrage 2025: 83 % suchen ihren Handwerker über persönliche Empfehlung. Die Zahl schwankt je Gewerk und Region, aber kein anderer Kanal kommt an sie heran.
Darf ich meinen Kunden eine Prämie für Empfehlungen geben?
Ja, in Deutschland und Österreich ist das zulässig, solange die Prämie offen ausgewiesen wird und der empfohlene Kontakt nicht unaufgefordert von Ihnen angerufen wird. Unzulässig ist verdeckte Laienwerbung, bei der der Empfehlende sein Interesse verschweigt. Arbeiten Sie mit einer beidseitigen Karte, die der Kunde selbst weitergibt, und lösen Sie die Prämie erst bei Auftrag aus.
Wie hoch sollte eine Empfehlungsprämie im Handwerk sein?
0,5 bis 1 % des typischen Auftragswerts, also 100 bis 250 € bei einer Badsanierung um 25.000 €. Mehr erhöht die Empfehlungsrate kaum, weil die meisten Kunden nicht wegen des Geldes empfehlen. Eine Studie mit 9.814 Bankkunden erzielte mit 25 € Prämie einen Wertvorsprung von 40 € je empfohlenem Kunden. Sachprämien oder regionale Gutscheine wirken wertiger als Bargeld.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um nach einer Empfehlung zu fragen?
Bei der Abnahme, wenn der Kunde das fertige Ergebnis zum ersten Mal sieht, und noch einmal drei Tage später per Nachricht. Danach schließt sich das Fenster; nach drei Wochen ist die Sanierung Alltag. Fragen Sie nie allgemein, sondern nach einer bestimmten Person: „Wer in Ihrem Umfeld überlegt gerade, sein Bad zu machen?“
Was ist der Net Promoter Score und brauche ich ihn als Handwerksbetrieb?
Der NPS ist die Antwort auf „Wie wahrscheinlich empfehlen Sie uns weiter, von 0 bis 10?“: Promotoren (9–10) minus Kritiker (0–6) in Prozent. Fred Reichheld stellte ihn 2003 im Harvard Business Review vor. Für einen Betrieb ist er ein Frühindikator: Sinkt der Wert, sinkt der Empfehlungsstrom sechs Monate später. Eine SMS drei Tage nach Abnahme reicht.
Reichen Empfehlungen als einziger Kanal?
Zum Halten des Bestands oft ja, zum Wachsen nein. Empfehlungen sind ein Prozentsatz Ihrer bisherigen Aufträge und kommen saisonal versetzt. Ein Betrieb, der von 2,4 auf 3,2 Mio. € Umsatz will, braucht rund 33 zusätzliche Aufträge; das Empfehlungssystem liefert davon im besten Fall fünf. Der Rest muss aus einem Kanal kommen, den Sie aktiv steuern können.
Wie messe ich meine Empfehlungsquote?
Notieren Sie bei jeder Anfrage die Antwort auf „Wie sind Sie auf uns gekommen?“ und den Namen des Empfehlenden. Nach zwölf Monaten teilen Sie die Zahl der Aufträge, die mindestens eine neue Anfrage ausgelöst haben, durch alle Aufträge. Werte von 10 bis 15 % sind ohne System üblich, 20 bis 25 % mit System erreichbar.
Wie sieht ein Neukunden-System für Ihr Gewerk aus?
Im Erstgespräch rechnen wir mit Ihren Zahlen: wie viele qualifizierte Anfragen Sie brauchen, was sie in Ihrer Region kosten und ob sich ein System für Ihren Betrieb rechnet. Ehrlich, auch wenn die Antwort nein ist.
Quellen
- Handwerkersuche: Empfehlung schlägt Internetsuche (Bitkom-Umfrage) – handwerksblatt.de (2025)
- Empfehlungen: So gewinnen Handwerker neue Kunden (Würth-Erhebung) – handwerksblatt.de (2009)
- Referral Programs and Customer Value – Schmitt, Skiera, Van den Bulte, Journal of Marketing (2011)
- Neue Nielsen-Studie zu Vertrauen in der Werbung – Nielsen (2021)
- Handwerksumfrage: Wie Kunden Handwerker finden und auswählen – YouGov für Jungheinrich-Profishop (2021)
- Kurzbericht Konjunktur 2. Quartal 2026 – ZDH (2026)
- Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk Q1/2026 – WKO/KMU Forschung Austria (2026)
- Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 – KfW Research (2026)
- Teuerung lässt Anfragen bei den OÖ-Poolbauern einbrechen – Volksblatt (2023)
- Local Consumer Review Survey – BrightLocal (2026)
- The Consumer Decision Journey – McKinsey (2009)
- The One Number You Need to Grow (Net Promoter Score) – Fred Reichheld, Harvard Business Review (2003)
- Replicating the NPS Growth Claims – MeasuringU (2019)
- Laienwerbung – Kunden werben Kunden: Rechtsprechung des BGH – webshoprecht.de
- UWG: Recht gegen unlauteren Wettbewerb – Überblick – WKO
- Sanierungsoffensive 2026: Sanierungsbonus und Kesseltausch – BMLUK (2026)
- Robert Cialdini: Die Prinzipien der Überzeugung (Influence, 1984/2021) – Influence at Work
- Byron Sharp: How Brands Grow – Ehrenberg-Bass Institute (2010)